Die Dame

15. Dezember 2009 | 2 Kommentare

Ich nenne sie nur “Die Dame”, diese Frau, die mir im Cafè auffiel, weil sie trotz ihrer offensichtlichen Behinderung eine Erscheinung war.

Sie wirkte auf mich ihrer selbst bewusst, war modisch und auffällig gekleidet, aufrecht und ruhig in ihrer Art.

Würdevoll

Ich sprach sie spontan an, ob ich sie fotografieren dürfe.  Dies erlaubte sie mir ebenso spontan und erzählte, dass sie ihre Mimik nicht kontrollieren könne wegen einer doppelseitigen Gesichtslähmung. Auch ihre Sprache war  davon auch betroffen.

Die Unterhaltung war nicht einfach, das Verständnis und die Schwingungen zwischen uns jedoch sofort da, so dass ich spontan ihre Hand ergriff und drückte. Ich spürte, dass ich dieser Frau hiermit nicht zu nahe trat.

Lasst uns Menschen nicht ausgrenzen, sondern auf sie zugehen, mit ihnen kommunizieren, ihnen zuhören und vielleicht sogar helfen, wenn dies gewünscht wird.

Mich hat dieses Erlebnis nachhaltig so berührt, dass ich es hier aufschreibe. Für mich geht es dabei um die Würde jedes Einzelnen, ganz egal ob gesund oder durch eine Behinderung eingeschränkt.

Die Fotografie hat mich insofern stärker sensibilisiert, als mir viel mehr scheinbar unwichtige Dinge und Situationen auffallen als dies vorher der Fall war. Dafür bin ich sehr dankbar.

Kommentare

2 Antworten auf “Die Dame”

  1. Renate
    18. Dezember 2009 um 15:54

    Guter Beitrag, liebe Martina. Und dass du der Frau die Hand gedrückt hast, finde ich sehr schön und sehr menschlich. Sie hat sich bestimmt darüber gefreut. Was für ein Schicksal … beidseitige Gesichtslähmung. Schrecklich!

    Liebe Grüße von Renate

  2. Renate
    18. Dezember 2009 um 15:54

    P. S.: Es stimmt, Fotografieren schärft den Blick.

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